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himmelhoch jauchzend - zu Tode betruebt

Posted in Allgemein | 07. März 2010, 22:37

Hallo, ihr Lieben! Bei mir ist es bereits Montag morgen, ich bin gerade dem Nachtbus entstiegen und warte nun darauf, mein Zimmer in der Jugendherberge beziehen zu koennen. Ich bin nun in Airlie Beach, dem sogenannten Tor zu den Whitsunday Islands. Morgen beginnt mein dreitaegiger Segeltoern. Doch bevor ich losschipper, wollte ich nochmal die vergangene Woche Revue passieren lassen und wie man am Titel bereits erkennen kann, habe ich in den letzten Tagen ein echtes Wechselbad der Gefuehle erlebt.

Ich hatte mich so sehr auf meine Fraser Island Tour gefreut, doch die war leider ein ziemlicher Reinfall. Hauptsaechlich lag das am Wetter. Es hat 3 Tage ununterbrochen geregnet und das an sich kann einen Campingtrip schonmal gruendlich vermiesen. Noch dazu, wenn man keine anstaendige Ausruestung erhaelt und dann in nassen Zelten schlafen muss. In der zweiten Nacht haben wir im Auto uebernachtet, was auch nicht viel besser, aber wenigstens trocken war.

Tja, und dann war da noch meine Gruppe. Der ganze Trip lief folgendermassen: Alle 60 Leute haben die Tour einzeln gebucht und treffen sich dann an einem bestimmten Tag im Hostel. Am Nachmittag vor dem Start haben wir ein endlos langes Briefing erhalten, wie wir uns auf der Insel zu verhalten haben. Fraser Island ist die groesste Sandinsel der Welt und die Sandmassen sind von Regenwald bewachsen. Man kann kilometerweit am Strand mit einem Allradwagen entlangfahren, entweder gefuehrt oder man faehrt selbst in einer Gruppe von 10 Mann in einem Auto. Ich war auf so einer selfguided Tour, weil es wesentlich billiger war, aber letztendlich habe ich am falschen Ende gespart. Aber hinterher weiss man immer mehr. Es gibt jedenfalls mehrere Dinge, die man beachten muss, da es auf der Insel naemlich auch ca. 200 Wildhunde, die Dingos, gibt. Die sollen moeglichst wild bleiben und den Camps nicht zu nahe kommen, daher soll man kein Essen herumliegen lassen. Bewegen soll man sich moeglichst in Gruppen und wenn einem einer ueber den Weg laeuft, soll man Krach machen und schreien "Go home Dingo". Das klang ja soweit alles noch ganz lustig, danach kamen noch unzaehlige Hinweise, wie man fahren soll, das letzte Jahr sind naemlich 7 Backpacker auf der Insel gestorben. Ich habe mittlerweile eine Ahnung, warum.

Wir wurden dann also in Gruppen aufgeteilt, angeblich hinsichtlich Alter und Nationalitaet gemischt. Irgendwie war ich dann aber die einzige ueber 21, die juengste in meinem Wagen war gerade mal 18. Irgendwie nicht so gluecklich gelaufen. Wir waren also 2 Deutsche, 2 Schweden, 2 Schotten und 4 Britinnen. Und die englischen Maedels waren genau so wie in meinen schlimmsten Alptraeumen. Zickig, stur, launisch und vollkommen postpubertaer. Bevor es losging, mussten wir uns darauf einigen, wieviel Alkohol wir mitnehmen, als alle bei insgesamt 400 Dollar fuer 2 Tage angekommen waren, habe ich angemerkt, dass ich nicht mehr als maximal 20 Dollar ausgeben will, am Ende zahlten die Jungs 40 Dollar pro Kopf und die Maedels 16. Ich waere auch mit ein paar Bier fuer ein paar Dollar gluecklich gewesen, aber am Anfang habe ich noch versucht, mich zu integrieren. Ich musste dann aber ziemlich schnell feststellen, dass ich einfach zu alt fuer sowas bin. Ich habe waehrend meiner Reise so gut wie nie was getrunken und bin voellig aus der Uebung. Ich habe keine Ahnung, wie ich in der ersten Nacht in mein Zelt gekommen bin, als ich aufgewacht bin, war mir jedenfalls ziemlich uebel und daran hat sich waehrend des ganzen zweiten Tages nicht viel geaendert. Ziemlich clever, wenn man den ganzen Tag mit dem Gelaendewagen ueber die rauhesten Sandpisten brettert...

Sobald wir den Fuss aus dem Auto setzten wollte, begann der Regen von neuem, alles war nass, irgendwann haette ich am liebsten nur noch geweint. Ich waere sogar nach Hause geschwommen. Es gab keine Duschen, man kann sich vorstellen, wie es nach 3 Tagen im Auto gerochen hat. Und die Stimmung war irgendwann dementsprechend gespannt. Als ich am zweiten Morgen aus dem Auto geschaut habe, wurde ich richtig wuetend, vor unserem Camp lagen doch echt Kisten mit Essen drin und ein Dingo lief gerade mit einer ganzen Packung Toastbrot davon!? Das arme Tier muss nun wahrscheinlich getoetet werden und wir wurden etwa 300 Mal davor gewarnt. Ich kann das einfach nicht nachvollziehen und ich habe mich echt fremdgeschaemt. Am Ende ist es natuerlich keiner gewesen. Noch immer fuehle ich mich oft wie eine Oma im Kindergarten, aber besonders schlimm ist es, wenn man in einer Gruppe gefangen ist und sich sie Verantwortung teilt. Ich hatte echt Angst, uns waeren Achsen gebrochen, das muss man natuerlich alles extra bzahlen, aber zum Glueck blieben wir von weiteren Kosten verschont. Alles in allem war es einfach unverantwortlich, uns bei dem Wetter losfahren zu lassen. Alles ist ein grosses Geschaeft und das ist echt traurig. Gestern habe ich mit einem Maedel gesprochen, deren Tour gecancelt wurde, die aber immer noch darum kaempft, ihr Geld zurueck zu bekommen.

Ich habe nicht mal Fotos schiessen koennen, weil ich nicht auch noch meine Kamera ruinieren wollte. Trotzdem ist die Insel wunderschoen, ich habe nun einfach 2 Postkarten gekauft. Fraser Island im Sonnenschein, so wie es sein sollte. Schade, dass ich ausgerechnet im miesesten Sommer seit Ewigkeiten hier bin!

Nun ja, ich bin dann vor 2 Tagen also ziemlich ko an meinem naechsten Ziel Agnes Water angekommen. Ich habe ein bisschen mit dem Kerl an der Rezeption gequatscht und er hat mir von einem Australier im Ort erzaehlt, der umsonst Touren fuer Backpacker veranstaltet. Ich konnte das zuerst gar nicht glauben, aber Peter hat mich und eine Hollaenderin tatsaechlich am naechsten Morgen abgeholt und uns den ganzen Tag durch 2 Nationalparks gefahren. Das war ein wirklich schoener Tag, es tat so gut, mal wieder unter freundlichen und vor allem erwachsenen Menschen zu sein. Er ist 40 und Junggeselle und freut sich, auf diese Weise Gesellschaft zu haben. Er hat uns fuer den Sonntag in die Kirche eingeladen und da wir beide total neugierig waren, haben wir uns ins beste T-Shirt geworfen und sind mitgekommen. Und das war echt ein Erlebnis!

Alle haben uns total herzlich begruesst und mit uns gequatscht, der Pastor hat uns noch mehrmals direkt angesprochen und am Ende wurde sogar fuer uns gebetet, das hat mich sehr geruehrt! Hoffentlich hat einer gutes Wetter auf den Whitsundays mit in sein Gebet fuer mich mit eingeschlossen :) Danach gab es Sandwiches und Kaffee und selbstgebackenen Kuchen und alle haben noch zusammengesessen, das war wirklich schoen! Alle waren sehr beeindruckt, dass wir beide Psychologinnen waren und jeder hatte noch irgendwas zu Deutschland oder Holland zu erzaehlen. Es haben ja viele europaeische Vorfahren. Also mal wieder ein Einblick in das echte Australien, wir waren beide noch nachhaltig beeindruckt, dass wir den ganzen Tag vorm Hostel gesessen haben und buchstaeblich ueber Gott und die Welt geredet haben. Und genau dafuer bin ich ja immer zu haben :) Wir waren beide etwas erschrocken von der Intensitaet des Glaubens hier, hier kennt jeder jeden und so werden waehrend des Gottesdienstes auch schonmal persoenliche Krisen thematisiert. Das waere nicht so mein Fall, aber andererseits bietet es auch einen enormen Rueckhalt. Es gab viele Dinge, die man in Deutschland mal ueberdenken sollte, auch wenn ich natuerlich keine Ahnung von Gottesdiensten bei uns habe. Doch es wurden Lieder gesungen wie "God is an awesome God", der Text wurde per power point eingeblendet, so dass sogar wir irgendwann mitsingen konnten. Fuer die Kinder gab es Malzettel, wo sie Noah in der Arche ausmalen konnten und jeder konnte sich irgendwie einbringen, fand ich sehr erfrischend.

Tja, und nun also weiter im Touriprogramm. Als ich den Segeltrip gebucht habe, habe ich ausdruecklich betont, dass ich nicht auf ein Partyboat will, ich hoffe sehr, das wurde beherzigt. Ich halte euch auf dem Laufenden. Sorry fuers Zutexten, aber das musste einfach alles nochmal raus. Ich hoffe, euch allen geht es gut! Ganz liebe Gruesse, Antje

5 Kommentare | "himmelhoch jauchzend - zu Tode betruebt" »

  1. Papa : Tritt ein in den Dom ...

    08/03/2010, at 08:25 [ antworten ]

    Tja liebe Antje, da verstummen sogar Papas kluge Sprüche. Viele englische Urlauber sind schon manchmal sehr prollig, aber in normalen Urlauben, kann man sie sich einfach wegbuchen, indem man diese Orte meidet. Das ging bei Dir schonmal gar nicht ;-((
    Wir waren in Wetzlar auch in der Kirche, da wir das Orgelspiel im Dom hören wollten. Der Küster hatte uns erlaubt, den Anfang des Gottesdienstes in Ausgangsnähe sitzen zu bleiben, um dann vor der Predigt schnell raushuschen zu können. Es war auch ein sehr schöner Tag

  2. Silke : ich mach mal weiter

    08/03/2010, at 08:55 [ antworten ]

    Liebste Antje, es war wirklich wunderschön und wir haben den Tag sehr genossen. Wir sind bei bitterster Kälte und strahlendem Sonnenschein noch zur Burg Braunfels gefahren, ein mittelalterliches Kleinod inmitten dieser Landschft. Wir waren an viele Märchen erinnert und man hatte den Eindruck, irgendwann kommt eine gute Fee vorbei...Hier ist wieder der Winter ausgebrochen und vielleicht sind das aber die wirklich letzten Tage?
    Ich kann Deinen Unmut sehr gut verstehen und finde es richtig gut, dass Du Dir einiges von der Seele geschrieben hast, ich würde das glaube ich gar nicht aushalten!? Bewundernswert. Alles weitere nachher , ich muss zum Sport.
    Ich drück Dich doll
    Mutti

  3. Ute :

    08/03/2010, at 13:18 [ antworten ]

    ...also seit die Mutti in die "Muckibude" (Originalzitat!) geht, ist sie nur noch im Stress ;o)
    Du hast eine Mail von mir in deinem Postfach :o)

  4. Silke : ich mach mal weiter die zweite

    08/03/2010, at 13:49 [ antworten ]

    Ich habe die Muckibude mit Absicht nicht erwähnt, jetzt isses raus, ich fühle mich aber super und nicht gestresst! Ihr glaubt gar nicht, wie ich mich freue, meine Muskeln auf Vordermann zu bringen, der Berg ruft!!!
    Nur die Harten komm`in Garten...
    In diesem Sinne Eure Mutter

  5. Ute : hihi

    08/03/2010, at 14:36 [ antworten ]

    ...das war auch nur ein kleiner Aufmunterungsversuch, ich finde es zu lustig, um es Antje vorzuenthalten ;o)
    Aber ich lache mit dir, Mütterlein, nicht über dich!!!

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